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Kirchturm Ediger
Pfarrkirche Ediger St. Martin
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Von
Wolfgang Wolpert
Geschichte: Im 6 Jahrhundert hatte der hl. Fridolin wohl den Kult des hl. Hilarius in Eller initiiert. Man darf annehmen, daß auch die Martinskirche von Ediger auf diese Zeit zurückgeht. Vor 1097 hat hier bereits ein romanisches Gotteshaus bestanden, von dem eine kleine Säule (eingemauert in das Haus östlich der Kirche), ein bemerkenswerter Taufstein im südlichen Seitenschiff, die Nordwand des Chores und Fundamente erhalten geblieben sind. 1142 wurde die Kirche von Ediger zur Pfarrkirche erhoben. Möglicherweise nahm man im 14. Jahrhundert gotische Veränderungen bzw. Erweiterungen vor. Wohl in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erlebte das Gotteshaus nach dem Vorbild der Hospitalkapelle in Kues die Umgestaltung zu einer zweischiffigen gotischen Hallenkirche. Am Beginn des 16. Jahrhunderts ersetzte man den romanischen Turm durch einen spätgotischen, an den das Westjoch des Südschiffs angeschlossen wurde. Ebenfalls im 16. Jahrhundert erfolgte auf der Nordseite der Anbau einer Kapelle. 1951-1953 erweiterte man die Kirche nach Entwurf des Kölner Dombaumeisters Willy Weyres um ein Schiff nach Norden und übertrug in dessen Wand die alten Maßwerkfenster. 1970 und 1974 wurde eine umfassende Renovierung vorgenommen.
Beschreibung: Das Gotteshaus erhebt sich, höchst phantasievoll gestaltet, auf einem Felsen anschließend an ein altes Stadttor vom Jahre 1363. Der über 60 Meter hohe Turm besitzt den schönsten gotischen Helm aller Kirchen der deutschen Mosel. Seine sechs Glocken Hosanna, Maria, Martin, Concordia, Vox clamantis und Wolfgang stammen aus den Jahren 1411, 1512 (2), 1564(2) und 1995. Sie bilden ein „unbeschreiblich majestätisches“ Geläut (Klein 1831), bzw. „majestätischste Geläut neben dem Trierer Dom“. (Dumont) Im von drei Pfeilern geteilten spätgotischen Innenraum überrascht das reiche Sterngewölbe mit seinen 117 Schlußsteinen, die in ihrem Reliefs den Auferstandenen, die Muttergottes, die Apostel, die hl. Martin, Stephan, Laurentius, Michael, einen hl. Papst, die vier abendländischen Kirchenväter, viele Zunft- und Hausmarken, das Schöffengerichtssiegel Ediger-Eller als Wappen von Ediger sowie die Wappen der Trierer Dompröpste Eberhard Hohenfels von Reipoltskirchen (1504-11) und Philipp von Criechingen-Dorsweiler (1515-18) als eigentlichen Pfarrer nebst dem des Erzbischofs Jakob von Baden (1503-11) zeigen. Acht originelle Figuren dienen als Gewölbekonsolen. Aus der spätgotischen Zeit besitzt die Kirche ein Vesperbild, einen Holzkruzifixus, dessen Haupt als ein Meisterwerk der Epoche angesehen werden muß (äußere Südwand), eine ausdrucksstarke Holzplastik des Schmerzensmannes (in der Kapelle nördlich des Chores), eine Turmmonstranz von 1522, drei Meßgewänder sowie liturgische Geräte. Ganz in gotischer Tradition steht die aus dem Jahre 1671 stammende Grablegungsgruppe, ebenfalls in der Kapelle. In demselben Raum wird neuerdings auch das Original-Steinreliefbild „Christus in der Kelter“ (16 Jh.), aus der Kreuzkapelle aufbewahrt. 1558 starb der Send- und Gerichtsschöffe Bartholomäus Schienen, dessen steinernes Reliefbild in die Südwand eingelassen ist. Eine Pietà aus dem 17. Jh. Fand auf einem Altar unter der Empore Platz. Die übrige Ausstattung der Kirche geht auf das 17. und 18. Jahrhundert zurück. Als ein besonderes Glanzstück ist die in der Werkstatt Stumm hergestellte Orgel (18Jh.) anzusehen. Die Fenster wurden bis auf das östliche (19.Jh.) in den Jahren 1962 und 1963 nach Entwürfen von R. Schillings gestaltet. Wolfgang Wolpert HIC DOMUS DEI EST PORTA CAELI Die Pfarrkirche Sankt Martin ist der Mittelpunkt der gleichnamigen Pfarrei im Ortsteil Ediger der rheinland-pfälzischen Zivilgemeinde Ediger-Eller. Die im Ortsteil Eller stehende Kirche St. Hilarius, die einzige Kirche mit diesem Namen im Bistum Trier, verweist uns auf das Vater-Sohn-Verhältnis zwischen Hilarius und Martin, zwischen dem Lehrer und seinem lerneifrigen Schüler. Den Namen des hl. Martin tragen allerdings 71 Pfarreien im Bistum Trier. Die Pfarrei Ediger bildet mit der Filiale Nehren (3km) moselabwärts und den Pfarreien Eller und Bremm (bis zu 4km moselaufwärts) eine Seelsorgeeinheit im Pfarrverband Cochem. In der Pfarrei wohnen 782 Pfarrangehörige, davon 697 im Ortsbereich von Ediger. Die Kirchengemeinde unterhält zusammen mit der Schwestergemeinde Eller einen zweigruppigen Kindergarten (Erbauungsjahr 1995), der ganztags betrieben wird und auch Hortkindern offen steht. Wegen abnehmender Kinderzahl mußte die Gruppenstärke von 3 auf jetzt 2 reduziert werden. Wie beim Kindergarten arbeiten wir auch auf anderen Ebenen mit der Schwestergemeinde Eller eng zusammen. So gibt es zwar zwei Kirchenchöre mit getrennten Vorständen, aber die beiden Chöre bilden eine Singgemeinschaft die beiden Pfarreien ihre Dienste anbietet. Ein Erwachsenen-Bildungsprogramm wird von einem Gremium der Seelsorgeeinheit ausgearbeitet. Zur Pfarrei gehören auch die Maria Einsiedelkapelle im Unterdorf (Anno 1663) mit reicher Ausstattung, die Kreuzkapelle (1488) (Zivilgemeinde) oberhalb des Dorfes mit dem berühmten Steinrelief „Christus in der Kelter“, zu der ein eindrucksvoller Kreuzweg hochführt, der mit 15 Stationen aus dem Jahre 1762 gesäumt ist. (15. Station zur Verehrung der hl. Helena) Besonders in der Fastenzeit (an allen Fastenssonntagen , Grün-Donnerstag) werden Kreuzweg-Prozessionen von Laien gestaltet. An Karfreitag zieht die traditionelle Kreuzweg-Prozession mit mehreren hundert Pilgern hoch zur Kreuzkapelle. Für diese Kreuzwegeinrichtung haben wir jetzt die Aufnahme in den Europäischen Atlas der Kreuzwege beantragt. In Pehrtal steht eine Marienkapelle zu der ein Andachtsweg mit Heiligen- Stationen hinführt, der von Gläubigen aus der Pfarrei unterhalten, gepflegt und „gegangen“ wird. Am Oberbergweg steht ein Andachtsbild der Schönstatt-Muttergottes. Die Pfarrei verfügt über ein Pfarrheim mit großem und kleinen Saal, Tee-Küche einem Jugendraum, sowie einem Archiv- und Depotraum. Zum weiteren Besitz gehören neben Gärten, Weingärten, Ackerflächen und Wiesen auch der Komplex des ehemaligen Kindergartens/Altersheim, der bis 1995 von Schwestern der Schönstatt-Kongregation betreut und verwaltet wurde. Das Haus steht zur Zeit leer und soll einer neuen Nutzung zugeführt werden, die allerdings noch nicht konkret feststeht. Die Bevölkerung ist zu 95% katholisch. Aus ihr gingen in diesem Jahrhundert 5 Priester, über 25 Ordensschwestern und ein Ordensbruder hervor, die z.T. auch in der Mission eingesetzt sind , bzw. waren. Die Probleme in Gesellschaft und Politik sind in einem moselländsischen Dorf unserer Tage unübersehbar: Überalterung, Abwanderung in die Städte, Bevölkerungsrückgang, Krise des Weinbaus, wenig Hochzeiten, wenig Geburten, fehlendes kirchliches Interesse besonders bei den jüngeren Jahrgängen. Wir sind neben den Kunstwerken stolz auf die Grundlegung des christlichen Glaubens in vergangener Zeit. Dieses Fundament wird mit Sicherheit auch im kommenden Jahrtausend das Christentum im Moseltal ermöglichen. Kath. Pfarramt St. Martin |